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Paul Holmbeck und Helle Borup Friberg aus Dänemark
OWA Grand Prix-Gewinner 2021


Paul Holmbeck und Helle Borup Friberg aus Dänemark sind die Schlüsselpersonen hinter der unglaublichen Bio-Erfolgsgeschichte von Organic Denmark. Geboren und aufgewachsen in den USA, engagierte Paul sich schon früh in basisdemokratischer Politikarbeit und arbeitete als Journalist u. a. für die New York Times. Vor 25 Jahren kam er als politischer Berater und Lobbyist für die Bio-Bewegung nach Dänemark und wurde dort sofort zu einem wichtigen Mitgestalter für den weltweit ersten nationalen Bio-Aktionsplan. Paul war Hauptverfasser von sieben Bio-Aktionsplänen, schaffte breite politische Unterstützung für ökologische Forschung und Innovationen, für die Bio-Konversion von Betrieben sowie für die Marktentwicklung ökologischer Lebensmittel. Er spielte auch eine Hauptrolle bei der Entwicklung des ersten europäischen Bio-Aktionsplans sowie beim EU-Verbot für die Verwendung von GVO in der Herstellung von Bio-Produkten.

ORGANIC DENMARK EBNET DEN WEG FÜR 100 % BIO

Die einzigartigen dänischen Rahmenbedingungen für die Förderung der Öko- Landwirtschaft wurden von allen neun im dänischen Parlament vertretenen Parteien beschlossen, was in erster Linie Pauls diplomatischem Geschick und seiner hervorragenden Lobbyarbeit zu verdanken ist. Durch das Einbeziehen aller Parteien, eine umfassende Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, mit Verbraucher- und Klimaschutzorganisationen, bäuerlichen Vereinigungen und Tierschutzgruppen hat Organic Denmark ein politisches Öko-System erschaffen, in dem Bio bevorzugt gefördert wird.

Die dänischen Bio-Aktionspläne wurden vor kurzem vom World Future Council, IFOAM und der FAO mit dem Silver Future Policy Award (auch unter der Bezeichnung „Politik-Oscar“ bekannt) ausgezeichnet.

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1999 wurde Paul zum Leiter von Organic Denmark ernannt und hatte diese Führungsposition 18 Jahre lang inne. Er etablierte „The Organic House“, einen Verband, in dem acht NGOs unter einem Dach zusammengeführt wurden, die schließlich zu Organic Denmark verschmolzen. Heute sind in dieser Vereinigung Bio-Landwirte, Bio-Lebensmittelhersteller, Verbraucher, Ernährungsexperten und Köche zusammengeschlossen. Die Entwicklung dieser weltweit wahrscheinlich größten – und sicherlich erfolgreichsten - Bio-NGO ist größtenteils Pauls Verdienst.

Eine der Hauptstrategien, um das schnell wachsende Bio-Segment weiter auszubauen, ist der Fokus auf die öffentliche Beschaffung. Die nationale Zielvorgabe in Dänemark von 60 % Bio-Lebensmittel in allen öffentlichen Kantinen, die Finanzierung von Ausbildungen für Küchenhilfen sowie die Mobilisierung von Bauern und Lebensmittelerzeugern kreierte eine transformierende Energie. Überall – in Kindergärten, Schulen, öffentlichen Verwaltungen, Krankenhäusern und militärischen Einrichtungen – wird mit Bio-Lebensmitteln gekocht. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen werden täglich etwa 80.000 Mahlzeiten angeboten, die zu fast 90 % aus Bio-Zutaten bestehen!

Der Durchbruch in der Gastronomie wurde über ein Zertifizierungsprogramm erreicht, das Restaurants mit Bio-Medaillen in Bronze, Silber und Gold auszeichnet, wenn sie mindestens 30, 60 oder 90 % Bio-Zutaten verwenden. Heute haben mehr als 3.400 Küchenbetriebe eine Bio-Medaille! Manche Restaurants mit Michelin-Sternen haben auch eine „ø“-Auszeichnung in Gold. Michelin- Sternekoch Christian Puglisi drückte seine große Wertschätzung für die Bio- Goldmedaille kürzlich wie folgt aus: „Ich würde eher meinen Michelin-Stern zurückgeben als den Bio-Gold-Status unserer Küche.“

Einzigartig ist auch die Rolle, die Organic Denmark in der Weiterentwicklung des Bio-Markts gespielt hat. Heute hat Dänemark die höchsten Bio-Marktanteile weltweit. Erreicht wurde dies durch enge strategische Partnerschaften mit allen großen dänischen Einzelhandelsketten, wodurch wiederum die Sichtbarkeit von Bio erhöht wurde, Bio-Sortimente ausgeweitet werden konnten und die Gründe, warum Bio wichtig ist, an die Verbraucher kommuniziert werden konnten.

Bio-Lebensmittel sind heute in Dänemark überall, zu erschwinglichen Preisen und für jedermann erhältlich. Mehr als die Hälfte der dänischen Bevölkerung kauft jede Woche Bio-Lebensmittel; in der Folge ist der Anteil von Bio- Produkten in 15 Jahren von 3,2 % auf über 12 % gestiegen – was einen Weltrekord bedeutet. Babynahrung steht beim Bio-Marktanteil mit 95 % an der Spitze, gefolgt von Haferflocken (52 %), Joghurt (48 %), Karotten (42 %), Eiern (33 %) und Milch (32 %). Ein weiterer Weltrekord: die jährlichen Pro- Kopf-Ausgaben für Bio-Lebensmittel betragen in Dänemark 344 Euro! Die derzeitigen Wachstumsraten belegen, dass Bio bereits heute Mainstream ist und sich auf dem Weg gemacht hat, den ganzen Markt zu erobern.

Lobbyarbeit für Bio-Forschung und innovative Förderinstrumente, ergänzt durch Mittel aus der Besteuerung von Pestiziden, bildeten die Grundlage für einen eigenen Fonds für Bio-Landwirtschaft und für das Internationale Dänische Forschungszentrum für Ökologische Ernährungssysteme, das wiederum für die Entwicklung der Öko-Landwirtschaft zuständig ist.

Eine kompromisslose Bio-Skalierung nach oben bedeutet in Dänemark, dass man dort Milchbetriebe mit bis zu 700 Kühen finden kann - und dass alle Kühe auf der Weide gehalten werden! Der Hestbjerg Schweinehof hat bereits vor 25 Jahren auf Bio umgestellt und brachte Schweine dorthin zurück, woher sie ursprünglich herkommen – nämlich in den Wald. Die 1.500 im Wald lebenden Säue sind wahrscheinlich die glücklichsten Schweine in ganz Dänemark. Sie gebären jedes Jahr mehr als 30.000 Ferkel, die ebenfalls im Freiland gehalten werden. Die Größe dieser Bio-Betriebe ist eine wahre Herausforderung für das traditionelle Bio-Denken, das vor allem das Paradigma von „Klein ist schön“ favorisiert.

Die Verdienste für die dänische Erfolgsgeschichte gebühren vielen Menschen: den Verbandsmitgliedern, den landwirtschaftlichen Beratern, den 65 MitarbeiterInnen von Organic Denmark sowie vielen Gleichgesinnten. Aber auch Bio-Pioniere wie Per Koelster oder Rikke Lundsgaard sowie über die Jahre den mutigen dänischen LandwirtschaftsministerInnen und weiteren PolitikerInnen.

Heute berät Paul Regierungen, Unternehmen und Bio-Verbände auf der ganzen Welt bei der Umsetzung von ökologischen Strategien. 2017 wurde Helle Borup Friberg CEO bei Organic Denmark. Mit ihrem Studium und längeren Aufenthalten in den USA, in Deutschland und Vietnam, einem Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre und ihren professionellen Erfahrungen im Bereich Marketing und im Bereich partnerschaftliche Zusammenarbeit bringt sie neue Perspektiven und internationale Erfahrungen ein. Mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement wird Helle das nächste große Ziel – 30 % Bio-Anteil in den nächsten zehn Jahren zu erreichen – voranbringen. Genauso wird Organic Denmark daran arbeiten, dass die Lebensmittelindustrie und die Bio-Landwirte eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des ambitionierten dänischen CO2-Reduktionsziel einnehmen: Bis 2030 sollen so in Dänemark 70 % der CO2-Emissionen eingespart werden.

Wenn sie es dort schaffen, können wir es überall schaffen … Die Erfolgsgeschichte dieses würdigen OWA 2020 Grand Prix-Gewinners bietet ein einzigartiges Füllhorn von Inspirationen und Lernprozessen. Organic Denmark ebnet den Weg für unsere ultimative Vision - die hundertprozentige ökologische Bewirtschaftung von Mutter Erde.

www.organicdenmark.com