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One World Award: Nacianceno Mejos Pacalioga
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Lifetime Achievement Award: Ana Maria Primavesi
Die Finalisten
Zu Gast bei Mayor Jun auf den Philippinen


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NACIANCENO MEJOS PACALIOGA | ONE WORLD AWARD 2012


Finalist des OWA 2012 • Philippinen


Nacianceno Mejos Pacalioga kennt man in seiner Heimat nur als Mayor (Bürgermeister) Jun. Es muss eine glückliche Kindheit auf dem Bauernhof gewesen sein, denn die Leidenschaft für die Landwirtschaft ließ Mayor Jun nicht mehr los. Er begann seine berufliche Laufbahn nach dem Universitätsabschluss als Sozialarbeiter, sah aber in der Politik seinen Platz der Gesellschaft zu dienen. Zunächst wurde er in den Stadtrat von Dumingag gewählt. Nach 9 Jahren als stellvertretender Bürgermeister wurde er 2007 nach einer äußerst knappen Wahl zum Bürgermeister ernannt. Mittelpunkt seiner Kampagne war die Förderung der biologischen Landwirtschaft als Stützpfeiler eines ganzheitlichen Konzeptes zur nachhaltigen Entwicklung. Der Gegenkandidat war Agrarchemie- Händler! Trotz Wahlmanipulation des Gegners wurde er damals mit ein paar hundert Stimmen mehr Sieger. Die erfolgreiche Umsetzung seines Programms brachte ihm schließlich 2010 einen überwältigenden Wahlsieg.



Frauen verarbeiten Sisal zu Taschen und vermarkten diese in ihren Läden
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Organic Culture Village mit Biomarkt Restaurant und Gesundheitszentrum
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Energie für das außergewöhnliche Engagement und den unermüdlichen Einsatz „tankt“ der Bürgermeister bei der Arbeit auf seinen eigenen 3 ha großen Bauernhof. Mayor Jun trägt Verantwortung für etwa 50.000 Menschen, die in 44 Dörfern leben. In vielen, teilweise nur ganz schwierig zu erreichenden Orten sind die Bewohner vom indigenen Stamm der Subanen. Die wirtschaftliche Situation von Dumingag ist sicher die größte Herausforderung, denn 90% der Menschen leben unterhalb des philippinischen Standards für Armut.

Gemeinsam mit den kommunalen Mitarbeitern und den Menschen von Dumingag wurde die „Genuine People’s Agenda“ (GPA) als Grundlage des Entwicklungsprogramms erarbeitet. Zielsetzung ist dabei eine nachhaltige ökologische und ökonomische Entwicklung. In den 15 Punkten des Programms befinden sich, neben der Entwicklung des biologischen Landbaus, u.a. die Themen Gesundheit, Umwelt, Sicherheit, Frieden und Tourismus.

Die Umsetzung der Agenda beginnt bereits in den Kindergärten und Schulen. So wurden alle Lehrer mit den Grundlagen des biologischen Landbaus vertraut gemacht und diese als Unterrichtsstoff verbindend in die Lehrpläne aufgenommen. Der biologische Landbau hat auch in der landwirtschaftlichen Fachhochschule Eingang gefunden und das College wurde komplett auf Bio umgestellt.

Seminare zur Praxis des biologischen Landbaus finden in allen Dörfern statt. Das geweckte Interesse bei den Landwirten wird dann in intensiven Weiterbildungskursen im Zentrum für biologische Landwirtschaft vertieft. Die Begeisterung für den biologischen Landbau hat selbst in der Militärstation Wurzeln gefasst. Die Garnison vermittelt den Eindruck, ein Bio-Bauernhof zu sein. Die biologische Landwirtschaft bringt hier, im wahrsten Sinne des Wortes, Leben in den ansonsten eher tristen Tagesablauf der Soldaten.

Die Umsetzung der GPA in den Dörfern wird durch Dorfentwicklungshelfer koordiniert. Die Bio-Bauern haben sich zu einer eigenen Organisation zusammengeschlossen aus der sich eine Kooperative für die Vermarktung entwickelt hat. All das führt zu beeindruckenden Erfolgsstatistiken. Inzwischen wurde die sichere Versorgung mit Lebensmitteln erreicht. Diese wird u.a. durch den Anbau von 98 lokalen Reissorten ermöglicht, die nicht mehr von multinationalen Saatgutkonzernen gekauft werden müssen.

Ein interessanter Indikator ist die Tatsache, dass von den ehemals 10 ansässigen Händlern von Agrargiften nur noch 2 übrig geblieben sind. Nach den urArmutssprünglich 20 Bio-Bauern wurden in der ersten Entwicklungsphase 500 Betriebe umgestellt. Jetzt läuft die Phase, die der biologischen Landwirtschaft in ganz Dumingag zum Durchbruch verhelfen soll mit einer Vermarktungsstrategie, die natürlich dem lokalen Markt den Vorzug gibt. Im Stadtzentrum gibt es ein „Bio-Dorf“, das aus einem Bauernmarkt, einem Bio-Restaurant, einem Gesundheitszentrum und einem Geschäft für Handwerkskunst besteht.

 Dank der GPA gibt es zahlreiche Projekte, das Ziel der Armutsbekämpfung zu realisieren. Dazu gehören Wurmkompostanlagen, Baumschulen, Fischteiche, Mühlen, Solartrocknung, das Anlegen von Nutzbaumwäldern und das Anpflanzen von Kautschukbäumen. Besonders die kombinierten Systeme von Reis und Entenaufzucht bzw. Reisfeldern und Fischen sind sehr erfolgreich. Für Frauen wurden zahlreiche Kleinunternehmen für Kunsthandwerkstätten, Naturarzneien und Kosmetik initiiert. Die neuen Lebensperspektiven führen inzwischen dazu, dass Menschen aus den Slums der großen Städte in ihre Heimat zurückkommen.

Viel Wert wird auch auf den Erhalt des kulturellen Erbes gelegt. Insbesondere wird der traditionelle Lebensstil der Subanen geschützt und gefördert. Bereits im Kindergarten lernen die Kinder in den Dörfern Tänze, in denen die Schönheit der Natur, der Landwirtschaft und die Notwendigkeit diese zu schützen zum Ausdruck gebracht werden. Ein wunderbares Beispiel wie Agrar und Kunst miteinander harmonieren.

Auch in vielen anderen Bereichen ist Dumingag dank der GPA erfolgreich anders. Besonders hervorzuheben sind die Erfolge der Nichtraucherkampagne und der Verminderung von Kriminalität. Trotz der extremen Armutssituation ist die Kriminalitätsrate nahe Null. Viel Engagement geht in die Pflege eines schönen und sauberen Stadtbildes. Außerdem ist in Dumingag nicht die für Philippinen typische Raserei und Verkehrsanarchie vorzufinden. Maßgeblich verantwortlich dafür ist die respektierte 30 km/h Zone im gesamten Stadtgebiet.

Mayor Jun ist ohne Frage ein außergewöhnlicher Bürgermeister - auch, weil er viel Mut hat sich den Gefahren seines konsequenten Handelns zu stellen. Er war z.B. großem politischen Druck ausgesetzt, weil er sich weigerte ein Regierungsprogramm für mehrere Millionen Pesos zur Subvention von Kunstdünger und Hybridsaatgut umzusetzen, das im Rahmen eines sogenannten Hilfsprogramms an die Bauern verteilt werden sollte. Dass mit der Umstellung zum biologischen Landbau den Agrarchemie- Händlern der Markt entzogen wird, machte ihm ebenfalls Schwierigkeiten. Nicht ungefährlich ist sein konsequenter Kampf gegen Korruption. Als er sich weigerte einer Goldminengesellschaft Konzessionen zu geben, wurden ihm Unsummen als Bestechung angeboten. Nachdem dies nichts nutzte, infiltrieren nun – offensichtlich gesteuert und organisiert – bewaffnete Goldgräber die Bergregion.

Erfolg und Mut des charismatischen Bürgermeisters haben ihm aber durchaus auch Anerkennung gebracht. Vor 2 Jahren erhielt er den nationalen Preis für die beste Umsetzung für regionale Entwicklung. Dumingag ist nationales Modell zur Armutsbekämpfung und in den letzten beiden Jahren erhielt die Gemeinde den Preis der Weltgesundheitsorganisation WHO für die erfolgreichste Nichtraucherkampagne. Dumingag ist eine beachtenswerte Kommune, die in nur 5 Jahren zu einem Leuchtturm für nachhaltige Regionalentwicklung wurde. Wenn sich die Bürgermeister und Politiker/innen ländlicher Regionen in aller Welt ein Beispiel an Mayor Jun und den Menschen in Dumingag nehmen, wäre dies ein Durchbruch für die nachhaltige soziale und ökologische Entwicklung, die die Menschheit und unsere Umwelt so dringend benötigen. dumingaggpa.wordpress.com



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