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Die koreanische Vereinigung Hansalim | OWA GOLD 2014


Verbraucher stellen Bauern an erste Stelle


Die koreanische Vereinigung Hansalim … heißt auf Deutsch "Alles Lebendige bewahren" und ist eine Bewegung von Bauern und Verbrauchern. Die Prinzipien von Hansalim basieren auf gegenseitigem Vertrauen: "Die Bauern übernehmen Verantwortung für die Gesundheit der Verbraucher, die Verbraucher tragen die Verantwortung für die Existenzsicherung der Bauern."

Hansalim ist die größte Organisation der solidarischen Landwirtschaft. Anstelle der üblichen Kooperation mit einem Bauernhof arbeitet Hansalim mit über 2.000 Höfen zusammen. Diese produzieren gesunde Lebensmittel für 440.000 Haushalte mit über 1,6 Millionen Menschen. Durch 21 Verteiler- Kooperativen, 180 Bio-Läden und ein weit entwickeltes Liefersystem werden sie erreicht. Die Graswurzelbewegung wird von einem Vorstand koordiniert, dessen Präsident Lee Sang Kook ist.











Die unglaubliche Erfolgsgeschichte begann 1980 - mit einem winzigen Laden namens Hansalim Nong San - der sich nach zwei Jahren zu einer Kooperative weiterentwickelte. Ein Blick auf wenige Zahlen vermittelt die heutige Dimension von Hansalim:

Die Vereinigung wächst um 200 Haushalte – pro Tag! Mit dem Hauptziel, die Existenz der 2.000 Bauernfamilien zu sichern, wurden „nebenbei“ etwa 4.000 Arbeitsplätze geschaffen. Dabei wurde ein Pionier-Projekt mit Arbeitskooperativen gestartet. Eigene Ziele wurden gesetzt,  Arbeitsabläufe selbst organisiert und das billige Outsourcen von Arbeit verhindert. Handelsziel ist die konsequente Konzentration auf die lokale, regionale und nationale Lebensmittelversorgung. So vermarktet Hansalim z.B. keinen Kaffee oder Schokolade. Ein weiteres Hauptziel ist die Bio-Qualität der Produkte – nicht dogmatisch, aber immer pestizid- und gentechnikfrei. Viele der Farmen befinden sich in der Umstellung auf Bio. Das Label-System erlaubt Verbrauchern die klare Unterscheidung zwischen Bio- und (noch) nicht Bio-Produkten.

Die Vereinigung ist außerdem die Speerspitze für eine AKW- und gentechnikfreie Welt und kämpft für einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaftspolitik. Hansalim hat die Dachorganisation KFSA (Korean Federation of Sustainable Agriculture Organizations) mitgegründet und ist maßgeblich in der Asiengruppe von IFOAM engagiert. Dazu kommt eine wichtige Rolle beim Brückenschlag zwischen Agrar- und Esskultur in der Slow Food-Bewegung. Hansalim erreicht sein oberstes Zie: bäuerlichen Familienbetrieben die Existenz zu sichern. Ermöglicht wird dies durch einen Solidaritätsfonds. Verbraucher sowie Bauernfamilien zahlen in ihn ein und er hält Reserven von mehreren Millionen Dollar bereit. Erleidet eine Farm z.B. durch Hagel oder Flut signifikante Ernteverluste, sichert der Fonds trotzdem das ökonomische Überleben mit einem Grundeinkommen. Ein weiteres erklärtes Ziel ist die Steigerung der Selbstversorgung mit Lebensmitteln, die in Korea zu fast 80 % importiert werden. Zu Beginn eines jeden Jahres werden in einer Kommission die benötigten Produktionsmengen berechnet und faire Preise festgelegt.

Dies garantiert den meist nur 2 bis 4 Hektar „großen“ Farmen ein sicheres Einkommen. Diese Farmen sind dank ihren modernen, biologischen Methoden und einer öko-intensiven Produktion höchst effektiv. Gleichzeitig erhalten sie bedrohte Saatgutsorten und Tierrassen.

Schier unglaublich ist die Tatsache, dass von jedem Euro für Lebensmittel 75 Cent direkt beim Farmer bleiben und nur 25 % für Weiterverarbeitung und Handelskosten zu Buche schlagen. Dies ist u.a. möglich, weil Hansalim „nur“ 100 Mitarbeiter braucht, um im Hauptquartier einen jährlichen Umsatz von über 300 Millionen Dollar zu koordinieren.

Größter Wert wird auf die Wissensvermittlung von Lebensmittelqualitäten gelegt und das bereits im Kindesalter. Jedes neue Mitglied bekommt einen persönlichen Einführungskurs zur Philosophie und Zielsetzung von Hansalim. Beeindruckend ist auch die Tatsache, dass die Mitglieder mit großer Spendenbereitschaft auf die atomare Katastrophe von Fukushima oder dem philippinischen Hurrikan reagierten.

Es gibt weltweit wohl kein anderes Projekt in der Bio-Bewegung, das mehr Veränderung in der Gesellschaft erreicht hat. Hansalim zeigt, dass kleine Initiativen der Bio-Bewegung zu großen Unternehmen wachsen können - ohne ihre Identität zu verlieren oder teils „radikale“ Prinzipien aufzugeben. Die Tatsache, dass kein Profit in private Taschen geht, beweist, dass selbst innerhalb kapitalistischer Systeme eine Ökonomie für das Gemeinwohl möglich ist. Mit besten Gründen hat die Jury zum ersten Mal den OWA-Hauptpreis nicht einer Person verliehen, sondern einer Bewegung und Vereinigung. Mit anderen Worten: die diesjährigen OWA-Gewinner sind 2.000 koreanische Bauernfamilien und 1,6 Millionen einmalig engagierte Verbraucher.

www.hansalim.or.kr



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